Mund auf, PU-Schaum! LP






»Mund auf, PU-Schaum!« Das ist eine Ansage in vielerlei Hinsicht. Geradezu inbrünstig schreiend drängt sich dieser vermeintliche Gewaltakt dem Betrachter auf. Doch hier geht es um mehr. Einerseits ist es eine Kampfansage Django S.’ an ihre ewig währenden Kritiker. Andererseits ist es auch die metaphorische Befriedigung ihrer Zuhörer durch eine mehrheitlich handwerklich geprägte Band. Quasi der vertonte Rundumschlag vom Bau. Oder einfach nur Kunst 2017. Musikalisch ist so einiges zu erwarten. Gegenüber dem Vorgänger »Attacke« zeichnet sich eine deutliche Weiterentwicklung ab. Sich nach wie vor dem Tanzbaren widmend, geht es weg von »Ska’n’Roll«, hin zu »Bavarian Madness«. Die elf außergewöhnlich melodischen Songs lehnen sich dem Punk an und nutzen ihn als Sprungbrett für Neues, geprägt durch die starken Charakteren der sieben Musiker. Es wird blitzen und donnern auf dieser Silberscheibe. Aber es wird ein reinigendes Gewitter voller Melodien sein. Inhaltlich beschäftigt sich das Album mit den essentiellen Fragen der 1990er Generation. Was soll man aus seinem Leben machen? Am Ende der Ausbildung angelangt, geht es um die Suche nach dem Sinn. Soll man sich den gewohnten Klischees anbiedern? Den Weg gehen, den die Wirtschaft und digital dominierte (Konsum-)Gesellschaft von einem erwartet? Tag ein, Tag aus an einen Arbeitsplatz ohne Perspektiven setzen? Nur um am Ende des Tages das große Geld verdient zu haben? Damit man dann den Verlockungen der Werbung erliegt? Oder entscheidet man sich für das Leben? Und feiert es, um es in vollen Zügen spüren zu können, anstatt es nur an sich vorbeiziehen zu sehen. Entscheidet man sich für die sinnentleerten, doch zugleich bereichernden Fragen des Lebens: »Warum ist die Banane krumm?« Django S. haben darauf bereits eine Antwort gefunden und halten damit nicht lang hinterm Berg: »Ihr wollt was Neues? Die Zeit ist reif. Empört euch jetzt!«, »Geld oder Leben?« oder »Wir feiern mit den Resten von Gestern! Wir feiern mit den Geistern der Vergangenheit!« sind nur kleine Belege für ihre Unzufriedenheit mit den aktuellen Verhältnissen in der Welt.










Geld oder Leben

Der moderne Bankräuber hat den guten alten Räuberspruch schon längst ausgemustert. Dafür hat ihn die Gegenseite übernommen. »Arbeitsamt abgebrannt, asozialer Kontostand. Ohne Moos is gar nix los, die Zukunftswahl, die ist grandios.

Rock N Roll

Yeah! Rock N Roll! Immer fett und das wohl erstrebenswerteste Ziel im Leben! So lang man jung und dem öffentlichen Bild Glauben schenken mag. Wahrheit oder Pflicht? »So viel Plastik an dir dran, dass man die nächste Erdölkrise überleben kann. Was bist denn du? Ned echt bist du!« Django S. haben da so ihre Zweifel.

Banane Krumm

Mann wie Frau kennt das Problem krummer Bananen. Grund genug sich diesem Thema zu widmen und die alles entscheidende Sinnfrage zu stellen: „Warum ist die Banane krumm?“

Sendepause

Mensch-Maschinen-Liebe und ihre Folgen. »Heißhunger im Wohnungsflur. Auf dem Tisch in einer Tour. Mir wird heiß, wenn ich dich fühle! Liebe Dame, was soll aus uns wern? Warum muss ich dich den ganzen Tag begehrn?« Arpeggiator-Bass trifft Emotion. Sendepause.

Mafioso

Jeder hat Träume. So auch Bushaltestellen-Gangster. Dieses Lied soll jederfrau und - mann mit Goldketten und schlechtem Musikgeschmack dabei helfen, auf dem schnellsten Wege eine vorbildliche Karriere auf der schiefen Bahn hinzulegen. »Ich wär gern ein Mafioso! Er wär gern ein Mafioso! Ich wär gern ein Mafioso! So periculoso! Grausam und gemein, Terror soll mein Name sein.«

Wir feiern

Ein Loblied auf die Aftershow-Party, die unsere Generation von der vorhergehenden geerbt hat. »Wir feiern mit den Resten von Gestern! Wir feiern mit den Geistern der Vergangenheit!«

König Skarafat

Die Beleuchtung der Vor- und Nachteile einer vermeintlichen Demokratie aus Sicht des narzisstischen Oberhauptes. Ein Transfer auf gegenwärtige Entwicklungen in Europa sind mehr als gewollt. »Ein neuer König wird gewählt. So wird versucht, dass man gefällt. Die besten Karten hat der Pfau. Nicht wirklich hübsch und auch nicht schlau. Prächtig doch das Federkleid.«

Baum

In der Schule lernte man, dass der Mensch vom Affen abstammt. Jedoch erkennt man beim Ausgehen schnell, dass er in Wirklichkeit ein Nachfahre des Christbaums ist. »Du - bist - a so ein Baum! Von oben bis unten voll behängt, der Horizont beschränkt.«

Brillianz

Öfter mal was Neues. So oft wie möglich. Aber bitte nicht zu viel der Anstrengung. Und am besten vorgekaut. Danke. »Ihr wollt was Neues. Nicht noch ein Praktikum. Das Zehnte an der Zahl. Und obendrein wieder unbezahlt. Die Zeit – ist reif. Empört – euch jetzt!«

Millionen Zigaretten

Manchmal frägt man sich, ob die Rauchenden vor den Fabriken nicht die wahren Zigaretten sind. »Millionen Zigaretten, viel zu oft schon die Deppen! Billig produziert, immer dominiert! Brenna miasds, dass anders wird!«

Basskraft

Werbung treibt den Menschen an. Deswegen hier weniger vom Vielen. Auswahl macht die Auswahl schwer. »Danke für das Angebot, morgen sind wir alle tot!«